Der Anti-Intellektuelle Donald und die Intellektuellen-Idioten

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Der Anti-Intellektuelle Donald und die Intellektuellen-Idioten

Real Game of Thrones
15. März 2017 Mathias Bröckers

Im Real Game of Thrones gibt es keine Guten und keine Bösen, jedenfalls nicht auf Dauer; auch wie sich die einzelnen Figuren entwickeln ist nicht immer absehbar. Seit sich die Gilde der Demoskopen und Kaffeesatzleser grundlegend blamiert hatte, weil sie Hillarys Sieg einstimmig vorhergesagt hatte, war auch den Wahrsagungen, wer oder was sich zum Guten oder zum Bösen entwickeln würde, kaum noch zu trauen. Ebenso wenig wie den Herolden und Lautsprechern, die das Königreich seit Monaten mit der faktenfreien Verschwörungstheorie fütterten, dass König Donald vom „ultrabösen“ Wladimir gesteuert würde.

Doch ähnlich wie ihre Vorhersagen schien auch ihre bewährte Methode, dass man Lügen nur oft genug wiederholen muss, um sie als Wahrheit durchzusetzen, nicht mehr richtig zu funktionieren.

Noch nie war ein König nach seiner Amtsübernahme derart als „Böser“ dargestellt worden wie Donald, und doch lag er bei den Sympathiewerten im Land mittlerweile weit vor seiner angeblich „guten“ Gegnerin Hillary. Und auch sonst war im exzeptionalistischen Königreich zwischen Gut und Böse einiges Durcheinander geraten, die üblichen Koordinaten wie „rechts oder „links“ und „oben“ oder „unten“ taugten nicht mehr zu einer wirklichen Orientierung.

Viele Leute von „unten“ hatten einen Ultrareichen von „oben“ zum König gemacht. Der war „rechts“, sprach sich aber außenpolitisch für eine Versöhnung mit dem Ultrabösen aus, was zuvor nur „Linke“ getan hatten; wie sie wetterte er gegen „Globalisten“ und den neoliberalen Freihandel, war aber gleichzeitig „rechter“ Nationalist, der mit einem „linken“ Konzept, das „keynesianisch“ genannt wurde, ein staatliches Programm zum Wiederaufbau der Infrastruktur starten wollte. „Typisch Hitler“, sagte da einige „Linke“ wegen der berühmten „Autobahn“, die der blutrünstige Adolf einst bauen ließ und verglichen Donalds Einreiseverbot für Moslems dann mit Adolfs Judenvernichtung.

Ultra-Konservative hingegen, sonst als „Rechte“ für jede Maßnahme der Polizei und der Meister der Intelligence zu haben, warnten jetzt vor Überwachung und Polizeistaat wie früher nur „Linke“ und „Liberale“, denen der Schutz der Bürgerrechte und Privatsphäre das Höchste waren, die aber jetzt zusammen mit „Big Brother“ und dem Tiefenstaat das Land vor Donald retten wollten. Und schon an die Generäle appellierten, gegen ihren König aufzustehen.

Das Durcheinander im exzeptionalistischen Königreich war also groß. Auch die Gilde der Intellektuellen, die früher mit ihrer Weisheit bisweilen Orientierung bot, hatte den Geist nahezu vollständig aufgegeben und sich in zwei Fraktionen gespalten, die Anti-Intellektuelle („A-Is“) und Intellektuellen-Idioten („I-Is“) genannt wurden.

Die ersteren hatten mit Donald jetzt einen Top-A-I auf dem Thron und fühlten sich bestätigt, genauso wie die I-Is, die sich ja nie irren und schon immer wussten, dass die Anti-Intellektuellen Idioten sind und nun mit Donald einen Ober-Idioten inthronisiert haben. An dem und seiner Eichhörnchenfrisur arbeiteten sich die „I-Is“ nun Tag und Nacht ab – nichts Grundsätzliches, nicht das System ist der Skandal, sondern nur die Präsenz dieses einzigen Mannes.

Ob er nur seinen Schlips mit Tesa anklebt oder irgendeinen beleidigten Tweet abgibt, oder sich in seiner Turmburg im pompösen „Diktator-Stil“ einrichtet – nie war es leichter, sich über einen König zu pikieren und die Intellektuellen-Idioten nahmen die Vorlagen, die Donald permanent lieferte, dankbar an. Dass sie sich damit nur in ihrer eigenen Echokammer bewegten und die Realität ausblendeten merkten sie gar nicht mehr.

Dass sich so viele „Liberale“ und „Linke“ nur an der Figur auf dem Thron abarbeiteten und dabei von „obszöner Clown“ bis „hypergfährlicher Hitler“ alle Register zogen, hatte möglicherweise damit zu tun, dass sie Donalds Kritik am ökonomischen Globalismus, am militärischen Interventionismus und den Zuständen im Königreich nichts wirklich entgegen zu setzen hatten. Außer dem „I-I“-Argument, dass die Leute die ihn gewählt haben, eben „A-I“ und einfach doof sind.

Die schwarzen Künste des tiefen Staats

In den ersten 50 Tagen seiner Regierung hatte König Donald weniger mit äußeren Feinden als mit Widersachern aus den Tiefen seines Königreichs zu kämpfen. Namentlich die Meister der Intelligence, aber auch Elemente des Militärs, der Polizei und der Justiz setzten ihn mit geheimen Informationen unter Druck, die sie den Herolden und Lautsprechern steckten. Da den Lauschern und Spionen der Meister keine Form der Kommunikation außer sehr leisem Flüstern entging, wussten sie praktisch über jede Person praktisch alles.

Bevor das exzeptionalistische Königreich gegründet wurde waren die Bewohner als Untertanen des Königs von England besonders darüber erzürnt, dass dieser das Recht hatte, ihre Häuser und privaten Dinge jederzeit durchsuchen zu lassen. Deshalb nahmen sie, als sie das Kolonialjoch abschüttelten und ein demokratisches Königreich ausriefen, „Privacy“ – das Recht auf Privatheit – in ihre wichtigsten Verfassungsgesetze auf. Dort steht es zwar noch heute, doch weil Staat dank der modernen Lausch- und Spionagewerkzeuge nicht mehr die Türen seiner Bürger eintreten muss, um an ihre Geheimnisse zu kommen, hat sich die Lage geändert. Die Meister der Intelligence behaupten zwar, dass sie ihre schwarzen Künste nur bei „begründetem Verdacht“ und mit richterlicher Genehmigung anwenden, doch wie dies praktisch aussieht, hatte unlängst ein hoher Ex-Richter enthüllt: am Beispiel einer Genehmigung zum Abhören von 113 Millionen Kunden des Zwitscherdiensts „Verizon“.

Dass sich unter diesen mit Sicherheit einige Verbrecher und sogar Sympathisanten der terroristischen Wickelmützen befinden, reicht somit den Meistern als Argument, die halbe Bevölkerung zu belauschen, um das Land vor Terror zu schützen und gegen Feinde zu verteidigen. Nach den jüngsten Enthüllungen des Wachhunds „WikiLeaks “ fragten sich immer mehr Leute im Königreich, wer sie eigentlich noch vor diesen Meistern schützt, die die Verfassung, das Recht auf „Privacy“, derart mit Füßen traten.

Auch wenn vielen der „Nationalstaat“, den König Donald propagierte, nicht geheuer schien, war es der Tiefenstaat, den die Meister „permanente Regierung“ nannten, noch viel weniger. Ein König musste sich an Verfassung und Gesetze halten und alles, was er tat, vor dem Parlament rechtfertigen, die unsichtbaren Meister aber waren niemandem verantwortlich und ihre „permanente Regierung“, die alles überwachte und kontrollierte, lief auf nichts anderes hinaus als Totalitarismus in Reinkultur.

Königin Angela kann Donald-Zitate auswendig!

Unterdessen bereitete sich Königin Angela, die man auch den „Hosenanzug“ nannte, schon auf ihre erste Audienz bei König Donald vor als wegen einer Sturmwarnung ihr Besuch verlegt werden musste. Mit König Obama hatte sie sich ja stets prächtig verstanden und über seinen königlichen Rekorde beim Abwurf von 26171 Bomben und der Abschiebung von fast 3 Millionen Migranten großzügig hinweg gesehen. Genauso wie über das Abhören „unter Freunden“, das, wie jetzt bekannt wurde, aus dem Konsulat in Frankfurt betrieben wird. Jetzt zwitscherte WikiLeaks, dass bei den Meistern der Intelligence große Aufregung darüber herrsche, ob nun bald die Abhörprotokolle Merkels veröffentlicht werden.

Auf das Treffen mit König Donald, dem mächtigsten Mann der Welt, hat sich Angela, die als mächtigste Frau der Welt gilt, durch das Studium seiner Reden und Auftritte so gut vorbereitet, dass sie nach Angaben eines „Offiziellen“ wichtige Aussagen Donalds sogar „aus dem Gedächtnis zitieren“ kann.

Ob auch Sentenzen darunter sind, in denen er ihre Flüchtlingspolitik als „Desaster“ bezeichnete – „Ich dachte immer, Merkel wäre diese große Führerin, doch was sie in Deutschland getan hat, ist verrückt“ – ist nicht bekannt. Aber selbst wenn sie sich das gemerkt hat, wird sie freundlich bleiben, denn sie hat ihre Wirtschaftsführer dabei und will Strafzölle auf ihre Produkte verhindern sowie ansonsten „Gemeinsamkeiten identifizieren“.

König Donald hat angekündigt, sie über den Ultrabösen zu befragen, den sie ja persönlich kennt, aber anders als Donald, der mit ihm „klar kommen“ will, steht Angela eher auf strengen Sanktionen und Konfrontation und liegt damit ganz auf der Linie der unsichtbaren Meister. Deshalb wird sie Donald wohl auch nicht mitteilen, dass ihre eigenen Nachrichtendienste für die Saga von Angriffen russischer Häscher keinerlei Beweise gefunden haben. Das würde ihm in die Karten spielen und wäre kontraproduktiv für die Konfrontation mit dem Ultrabösen. Den schrecklichen Wladimir will Königin Angela auch zu Hause als Schreckgespenst gerne noch behalten, weil sie ihre „Bundeswehr“ genannte Truppe aufrüsten möchte.

Ihr Großfürst Seehofer indessen, den man nur den „Horst“ nannte und der den mächtigen Freistaat Bayern regierte, reiste ostentativ zur selben Zeit und mit großer Delegation gen Osten, um sich persönlich mit dem Leibhaftigen zu treffen – ähnlich wie Donald hält er weitere Sanktionen für falsch. Diese waren damals mit der „Fake News“ begründet worden, dass der Ultraböse einen zivilen Flugdrachen über der Ukraine abgeschossen hätte, doch ist dieser Absturz bis heute nicht aufgeklärt.

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